Pyrrolizidinalkaloide

Von Seiten der Pharmalobby wird gerne gegen jahrhundertlang erprobte Heilpflanzen vorgegangen. Es werden wissenschaftliche Studien und Untersuchungen durchgeführt, die als Ergebnis die Gefährlichkeit der Heilpflanze herausgefunden haben wollen. So geschehen bei Beinwell, Huflattich, Borretsch und Wasserdost, weil sie Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten.
Ich lasse mich nicht davon abhalten gelegentlich von Beinwell, Borretsch oder Huflattich zu essen. Doch ich möchte hier beide Seiten vorstellen, damit der Leser sich ein Bild machen kann.

Aus der Sicht eines Kräuterkundigen:

Wolf-Dieter Storl schreibt in seinem Buch „Mit Pflanzen verbunden“ folgendes:

Im Sommer 1988 verkündete das Bundesgesundheitsamt in den USA das Verbot von 14 Heilkräutern. Es handelte sich um Kräuter, die seit Jahrtausenden als solche verwendet werden.  Dies betraf u.a. Borretsch, Huflattich, Beinwell, Kreuzkraut, Pestwurz und Wasserdost. Denn Tierversuche hätten ergeben, daß die Pflanzen die Leber schädigten und Krebs verursachten. Hier wurde mit dem „Schreckgespenst“ Krebs den Menschen vor den Heilpflanzen Angst eingejagt.

Zu unten stehendem Fall 3, bei dem ein Neugeborenes an einer Leberzirrhose starb, stellte sich später heraus, daß die junge Mutter der Drogenszene angehörte und öfter leberschädigende halluzinogene Pilze konzumierte. Jedoch war die Leber der Mutter nicht geschädigt, obwohl die kindliche und die fötale Leber wesentlich resistenter sind als die Erwachsenenleber. Des weiteren enthielt der Tee neben Huflattich neun weitere Kräuter, wobei Huflattich 9% ausmachte. Nach weiteren Meldungen war nicht mal mehr gesichert, ob der Tee überhaupt Huflattich enthielt.

Zu den Tierversuchen, die eine krebserregende beziehungsweise erbgutverändernde Wirkung zeigten, berichtigt Storl, daß den Tieren das Futtermittel, welches zu 4 bis 32% die Pflanzen enthielt, zwangsweise verabreicht worden ist, weil die Tiere ab einem Huflattichanteil von 15% die Nahrungsaufnahme verweigerten. Dieser Zwang ist schon als karzinom fördernder Faktor zu werten. Als die Ratten gar nicht mehr essen mochten, wurde ihnen per Schlundsonde Beinwell oder Huflattich über Monate und Jahre einverleibt und man spritzte ihnen den isolierten Wirkstoff, bis sie endlich die Lebertumore entwickelten.

Können solche Experimente auf den Menschen übertragen werden? Die Menge, die den Tieren verabreicht worden ist, entspräche beim Menschen täglich vier Apothekerpackungen. Wer würde diese Menge zu sich nehmen?

Bei therapeutischer Dosierung, wie sie im Kräutertee vorhanden ist und wie man sie mit einer gelegentlichen Wildkräutermahlzeit zu sich nimmt, besteht keine Gefahr. Denn die nachweisbaren Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden in der getrockneten Droge sind derart gering, daß sie vernachlässigt werden können. Ferner gibt es aus all den Jahrhunderten, in denen Huflattich und Beinwell als Heilmittel Verwendung fanden, nicht einen Fall von Leberschädigung, der sich auf die Verwendung der Heilpflanzen zurückführen ließe.

Zitat: „Mit den Untersuchungstechniken moderner Labore könnte man wohl leberschädigende oder krebsauslösende Bestandteile in fast allen Heil-, Nahrungs- und Genußmitteln nachweisen. Kochsalz, Wein, Schokolade, Kaffee, Mandeln, Aufschnitt, Fisch, Konfitüre oder auch Fertiggerichte müßten nach demselben Maßstab, der an die Heilpflanzen angelegt wurde, wahrscheinlich verboten werden. Ebenso fast alle chemischen Medikamente – 58000 Tote durch Arzneimittelschäden gibt es pro Jahr allein in Deutschland. Man kann also getrost den Huflattich weitersammeln und als Bronchienheilmittel anwenden.

Aus der Sicht der Allopathie („Schulmedizin“):

Hier beziehe ich mich auf die Ausarbeitung von Heike Kothmann in  „Beinwell – Wirkungsgeschichte und Bedeutungswandel einer Heilpflanze“.

Zur Wirkungsweise von Pyrrolizidinalkaloiden

Alkaloide sind stickstoffhaltige organische Verbindungen, die durch ihren Stickstoffrest basischen Charakter erhalten, d.h. sie können so wie Basen mit Säuren Salze bilden. Pyrrolizidinalkaloiden wird als Inhaltsstoffe von Drogen keine therapeutische Bedeutung zugesprochen. Die Wurzel von Beinwell (Symphytum officinale L.) enthält etwa 0,01% bis 0,07% PA, wobei die in Beinwell vorkommenden PA und ihre Stickstoffoxide ungiftig sind. Erst in vivo durch Verstoffwechslung zu Pyrrolderivaten entsteht eine akute und chronische Giftigkeit.

Nach oraler Aufnahme werden die PA von der Darmschleimhaut aufgenommen. Ein Teil wird im Blut gespalten und über die Niere ausgeschieden. Der größere Teil jedoch gelangt zur Leber, wo er zu Stickstoff-Oxiden umgewandelt wird. Diese reagieren zu Dihydro-PA, welches hochreaktiv ist: Es erwirkt eine irreversible Vernetzung der DNS. In vitro wurde nachgewiesen, daß Pyrrolretronecin mit einer der vier DNS-Basen, dem Guanin, reagiert, und im Tierversuch, daß die PA-Metabolite in den Lungenkreislauf gelangen können und dort Erkrankungen aufgrund von Gefäßhochdruck (pulmonale Hypertonie) entstehen können. Ferner ist bei Ausscheidung über die Niere die Entstehung von Blasentumoren möglich.

Das Krankheitsbild einer akuten PA-Vergiftung sieht wie folgt aus: Auftreten kolikartiger Schmerzen im Oberbauch, Erbrechen und Diarrhoe, Askites innerhalb von einigen Tagen und binnen zwei Wochen zu einer Vergrößerung bis Verhärtung der Leber. Als Folge kann sich eine Leberzirrhose oder ein Karzinom ausbilden.

Fallbeispiele zur Toxizität von PA

  • Fall  1:  Ein  dreizehnjähriger  Junge  wurde  mit  einer  Beinwellwurzel-zubereitung  wegen  Morbus  Crohn  behandelt.  Bei  ihm  wurde  eine  veno-okklusive  Erkrankung  der  Leber  diagnostiziert,  was  auf  die  Gabe  von Beinwell zurückgeführt wurde.
  • Fall 2: Ebenso wurde einer 49-jährigen Frau eine veno-okklusive Erkrankung der Leber diagnostiziert, welche über 6 Monate hinweg Kräutertee und Beinwell enthaltene Tablette zu sich nahm.
  • Fall 3: Eine Frau trank während der Schwangerschaft PA enthaltenden Tee. Das  Neugeborene  starb  an  einer veno-okklusiven  Erkrankung.  Bei  der Mutter zeigte sich keine Lebertoxizität.

Der PA-Gehalt des Beinwells in Abhängigkeit des Bodens, des Entwicklungsstandes und der Pflanzenteile

Es wurde festgestellt, daß unter nährstoffreichen Bedingungen der PA-Gehalt geringer ist als unter nährstoffarmen, sowie daß im Verlauf einer Vegetations-periode eine große Schwankungsbreite des PA- und Allantoingehalts auftritt. Beide Stoffe hatten ein Maximum unmittelbar vor dem Aufblühen (Mai) und ein Minimum im Juli.

Weiterhin wurde festgestellt, daß PA im äußersten Abschlußgewebe, im Wurzelstock, in hellen jungen Wurzeln und in den Haarwurzeln gespeichert werden. In diesen Teilen (bis auf dem Wurzelstock) findet sich auch eine Anreicherung toxischer Diester. Dies legt eine Verwendung von nur geschälten Seitenästen der Beinwellwurzel nahe. Auch ist hierbei der Verlust an Substanz nicht all so groß, da diese den größten Anteil des Wurzelstocks bilden. Bei Untersuchungen der Blätter wurden im Frühjahr die höchsten PA-Konzentrationen gefunden, wobei die PA-Konzentration der Blätter im Verhältnis zu den Wurzeln um einen Faktor 100 geringer ist. In Blüten und Samen fand man nur geringe Spuren von PA.

Verwandte Seiten:

Pflanzen, die PA enthalten: Beinwell, Borretsch, Lungenkraut

Eine Antwort zu “Pyrrolizidinalkaloide

  1. Danke für diese ausführliche Recherche!

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