Holunder

Der Schwarze Holunder ist ein in Mitteleuropa häufig anzutreffender Strauch oder Baum, der sehr robust und kälteunempfindlich ist und gut im Halbschatten des Unterholzes lichter Laub- und Mischwälder auf sandigen, stickstoffreichen Böden gedeiht. Oft findet man ihn auch auf Ruderalfluren, an Waldrändern und in der Nähe von sowie in Siedlungen, da er ein beliebter Zierstrauch ist. Verwendet werden vor allem die Blüten und die schwarzen Beeren. In Deutschland sind neben dem Schwarzen Holunder auch der Rote Holunder und der Zwerg-Holunder (auch Attich genannt) einheimisch. Diese sind deutlich kleiner, sehen ihm aber sonst sehr ähnlich, haben jedoch nicht den für Schwarzen Holunder typischen Duft. Um eine Verwechslung zu vermeiden, kann vom nicht blühenden Holunder ein Laubblatt zerrieben werden. Dessen Saft hat ebenfalls den typischen Holunderduft. Der Zwerg-Holunder erreicht Wuchshöhen von 70 bis 150 cm und riecht eher unangenehm und ist in Süddeutschland häufig und in Norddeutschland selten bis zerstreut vorkommend.

Gefiedertes Laubblatt des Schwarzen Holunders.

Blüten und Beeren

Die weißen oder manchmal leicht gelben Blüten sind fast immer fünfzählig: sie haben fünf Kelchblätter, fünf miteinander verwachsene Kronblätter, fünf Staubblätter mit gelben Staubbeuteln sowie drei miteinander verwachsene Fruchtblätter, aus denen drei Kerne gebildet werden.

Die Blüten können den Raumduft angenehm auffrischen oder Getränke und Süßspeisen aromatisieren.  Es bietet sich an die Blütenrispen nach dem Pflücken leicht zu schütteln, um Kleintiere zu entfernen. Getrocknet werden sie in der ganzen Rispe, die dann im getrocknetem Zustand durch Schütteln von den Blüten leicht getrennt werden kann. Dazu pflückt man sie am besten vormittags nach dem Trocknen des Taus.

Von den Beeren sollten roh nicht zu viele gegessen werden; am besten man findet für sich durch vorsichtiges Probieren reifer Früchte heraus, wie viele man verträgt. Insbesondere sollten die Kerne nicht zerkaut werden.

Reife und unreife Früchte an einer Rispe.

Von den frischen und getrockneten Blüten und Beeren kann ein aromatisch fruchtiger Kaltauszug hergestellt werden.

Geschichtliches

Aufgrund seiner Eigenschaft, daß er kaum klein zu kriegen ist, – denn wenn man ihn bis zum Wurzelstock abtrennt, treibt er dennoch wieder aus – wurden früher mancherorts bei einem Hollerbusch Wertsachen vergraben: Er wurde nach dem vergraben abgehackt und weil er wieder nachwuchs, konnten die Sachen wieder gefunden werden.

Ein Name für den Holunder ist auch Elderbaum (englisch: Elder), was man mit Baum der Älteren bzw. Baum der Ahnen übersetzen kann. Der Elderbaum ist eine uralte heilige Pflanze und mit etlichen (teils widersprüchlichen) Geschichten umgarnt.

Auch an der typischen Rinde ist der Schwarze Holunder unter den Sträuchern gut zu erkennen.

Verwendbare Pflanzenteile:

Blüten, Früchte

Blütezeit:

Mai bis Juni

Blütenfarbe:

weiß

Wuchshöhe:

5 bis 7 m

Hauptwirkstoffe:

Blüten: ätherisches Öl, freie Fettsäuren, bis 3,5 % Flavonoide (v.a. Rutin), Gerb- und Schleimstoffe, Kaliumsalze (4-9%); Früchte: ätherisches Öl, Flavonoide, Anthocyane, 7,5% Zucker, Fruchtsäuren, Vitamine (v.a. B2, C und Folsäure); Blätter, Rinde: Blausäureglykoside

Einzelne Blüten des rispigen Blütenstandes.

Schwarzer Holunder: Einzelne Blüten des rispigen Blütenstandes.

Vorkommen:

an Waldrändern und in Siedlungsnähe auf sticksotffreichen Böden oder als Unterholz in Laubmischwäldern

Geschmack:

Blüten intensiv aromatisch, leicht süßlich; Früchte herb fruchtig aromatisch

Verwendung als:

Blüten zum aromatisieren von allen möglichen Speisen, z.B. Essig, Tees, Süßspeisen, Kaltauszügen oder als eßbare Dekoration. Die Blütenstiele können gut mit einer Schere entfernt werden. Reife Früchte in kleinen Mengen so gegessen oder als Bestandteil von Säften, Aufstrichen, Soßen… Die Früchte können auch gut getrocknet werden.
Blätter in der Homöopathie bei Entzündungen der Atemwege; Rinde und Blätter volksmediznisch bei Wassereinlagerungen und als Abführmittel

Heilwirkungen:

natürliches Antibiotikum; Blüten wirken schweißtreibend, fiebersenkend, harntreibend und immunstärkend, oft angewandt mit Lindenblüten. In der Homöopathie als Schnupfenmittel für Säuglinge und Kinder;
Früchte wegen des Anthocyan antioxidativ und immunstärkend, volksmedizinisch bei Ischias und Nervenschmerzen

Verwechslungsmöglichkeit:

besteht mit dem Roten Holunder und dem Zwerg-Holunder (Attich). Letzter wird etwa mannsgroß und hat aufrecht stehende Blütenstände und gilt als giftig.

Weitere Namen:

Holderbusch, Holler, Flieder (norddeutsch), Altholder, Elderbaum, Holla, Hollerbusch, Holder, Schwarzholder, Blauer Holler, Hoja, Schwitzteee, Lebensbaum, Quewweten (Weimar), Quebeken (Schlesien), Aalhorn, Ellhornbaum (Niederdeutsch), Alhorn, Backholder, Betschel, Eiderbaum, Elder, Eller, Ellhorn, Fliederbeere, Fliederbusch, Hölder, Huskolder, Schibicken (Erzgebirge), Schotschken (Anhalt), Zibken Schlesien), Keilkenbaum (Braunschweig, Hannover, Ostfriesland), Kelkenbusch, Kischke, Kisseken (Göttingen), Keiseken, Keitschen, Keitschken, Kätschken (elbostfälisch), Hollerkenstruk (Westfalen), Musflieder, Zottelfränzle (Elsaß); franz.: Grand Sureau, Sureau noir; engl.: (Black) Elder, Common Elder, Elder Bush; botanisch: Sambucus nigra L.

Für Baumpilzliebhaber sei noch erwähnt, daß der Holunder eine beliebte Wohnstätte für den Ohrlappenpilz (auch Judasohr, englisch: Black Fungus) ist.

Zum Vergleich: Reife Früchte des Roten Holunders.

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