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Engel

Es spricht das junge Kind
Seine Worte getragen vom Wind
Schweben über Feld und Moor
Offen steht des Herzens Tor

Aus den Worten spricht
Unvermittelt rein und klar
Der Seele helles Licht
So immer es war

Als Engel geboren
Sind uns die Kinder
Nichts bleibt verloren
Beglückt ist der Finder

Himmelsschau

Der Stern vom Lebenden erzählt,
wenn Geist sich mit Herz vermählt,
im Suchenden eine Stimme weckt,
so sich im Leibe reckt
die einverleibte Lebenskraft.
So wird denn lebhaft
durch des Himmels Schau
des Lebens innerer Bau.

Das Treiben der Waldameisen

Sie bauen weite Straßen
Über Flur und Rasen
Sie gehen auf große Reisen
Sie sind unsere Wald-Ameisen

Sie leben zu Tausenden in einem Bau
Dicht an dicht, Frau an Frau
Eine Königin sie haben
Ihr bringt man allerlei Gaben

Der von außen sichtbare Teil eines Ameisenstaates.

Die Welt ist ein Gedicht

Die Welt ist ein Gedicht
Zeigt uns ihr Gesicht
Im Sonnenschein
Sowie im Zusammensein
Auch im Blütenduft
Fliegt durch die Luft
Der Schöpfung Hauch
So ist uns auch
Das Licht gegeben
Daß wir streben
Das Gedicht zu leben
Ein eigenes hinzuzugeben

Zwei Rosenblüten im Sonnenlicht künden von der Schönheit der Welt.

Vier Rosenknospen, die blühen wollen. In der Mitte ist eine bereits verblühte Blüte zu erkennen.

Die kleine Maus (zweiter Teil)

Hier die Fortsetzung des ersten Teils:

Aus der Ruhe steigt empor
Still und leis‘ ein Keim hervor
Er ist es, der ins Bewußtsein dringt
Dem Mäuschen vom Leben singt

Das Denken ihm beschwingt
In ihm die Schönheit erklingt
So kommt die Maus um hinauszuspringen
Will ihr Glück in die Welt aussingen

Sieht in ihrem Inneren ein Sein
Das kam hervor im lichten Schein
Erkennt der Keim schon lange war
Tief in ihr gewurzelt unscheinbar

In der Ruhe erst kam er zu ihr
Brachte ihrem Atem Gier
Schenkte der Maus Trauen und Kraft
Geworden ist ihre Welt fabelhaft

Das Wort Gier hatte nicht immer den negativen Beigeschmack den es heute hat. Es wurde vielmehr als seelische Grundkraft verstanden ohne eine Gewichtung auf die Stärke des Verlangens, also als ein Bedürfnis der Seele. (siehe auch unter Gier im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm)

Die Person

Als ich neulich auf die S-Bahn wartete, sah ich ein junges Mädel, ebenfalls wartend, das so sehr geschminkt war, daß man gar nicht mehr ihr Gesicht sehen konnte. Wirklich schade, denn sie schien sehr hübsch zu sein.

Eine Maske sehe ich,
schaue ich in dein Gesicht.
Das Tier in dir
nur spricht zu mir.
Dein Innerstes, es schreit,
bisweilen es gar speiht.
Mit flehend Wort zu dir spricht.
Doch du erhörst es nicht.
Ich fühle mit, ich fühle tief
all deinen verwachsenen Mief.
Höre hin, in dich hinein.
Hörst du nicht das gequälte Sein?
Sendet Kund‘ und Bote
in seiner gefangenen Note
zu deiner vagen Kenntnis.
Möge es werden deine Erkenntnis.
Zwar leise nur, fast ohne Spur,
doch auf weiter Flur,
so daß sich machet breit
nach der Jahrzehnte Zeit
tief und fest in deinem Leib
der Krankheiten Verbleib.

Zum Begriff Person: Person bezeichnete ursprünglich die Maske von Schauspielern und wurde später auf deren Rolle übertragen.

Wenn ich mir so einige Personen anschaue, dann habe ich stark das Gefühl, daß sie gar nicht sie selbst sind, sondern nur eine Rolle spielen.

Die kleine Maus (erster Teil)

Im lichten Mondesschein
Irrt umher die kleine Maus
Im großen weiten Haus
In ihrer Hast stößt sie um den Wein

O welche Schrecken
Plagen nun die arme Maus
Im großen weiten Haus
Sind auf einmal lauter rote Flecken

Die Maus rennt davon geschwind
Schlüpft im fernen Winkel in ein Loch
Im großen weiten Haus sie sich verkroch
Doch noch folgt ihr der Wind

Der Wind erreicht verdrießlich
Im Keller doch die kleine Maus
Im großen weiten Haus
Herrscht Ruhe schließlich